Test: UAD-2 Streifzug

Bei der Fülle und Veröffentlichungsfrequenz neuer Plug-Ins, die Universal Audio meistens mehrmals pro Jahr praktiziert, könnte man meinen, dass den Entwicklern irgendwann das Futter für emulationswürdige Originale ausgehen könnte. Selbst ich, der die Branche schon seit über 40 Jahren begleitet, staune manchmal, was der Hersteller da alles an spannenden Geräten aus der Versenkung der Vergangenheit holt. Richtig, das gab es ja auch mal… Da jedes Plug-In ein Gerät repräsentiert, ist es natürlich kaum möglich, all diese Neuerscheinungen in von uns traditionsgemäß praktizierter Tiefe zu untersuchen. Deshalb schaue ich sozusagen nur ab und zu vorbei, und suche mir ein paar Plug-Ins für einen Test aus dem überreichlichen Angebot aus, die mir besonders viel Spaß machen. Dabei ist es für mich kein Kriterium, ob ein Plug-In ganz neu erschienen ist oder schon vor längerer Zeit in das Portfolio übernommen wurde. Da die Original-Hardware wahlweise sehr teuer oder so gut wie gar nicht mehr auf dem Gebrauchtgerätemarkt zu finden ist, können wir als Anwender froh sein, dass auf diese Weise seltene oder unerschwingliche Schätze in digitaler Rekreation gehoben werden, die unser Werkzeugangebot und unsere Klangfarbpalette bereichern. Für diese Runde habe ich mir vier aus meiner Sicht außerordentlich spannende Kandidaten ausgesucht: den bx_subsynth aus der Feder von Brainworx als Rekreation des dbx 120XP Subharmonic Synthezisers, den Curve Bender von Chandler Ltd., den SSL G Bus Compressor und den Oxide Tape Recorder, der mit einem stark vereinfachten Bedieninterface das gesamte Tape-Emulation-Know-how von Universal Audio in die Session bringt.

Auch, wenn ich es schon öfter gesagt haben sollte: Für mich ist es nicht so wahnsinnig interessant, ob ein Modeling-Plug-In möglichst nah an das Original herankommt, was natürlich für die meisten das Hauptkaufargument sein dürfte. Für mich zählen allein der praktisch-kreative Nutzen und die Beantwortung der Frage, ob ich ein solches Werkzeug in meinem Studio zielführend einsetzen und welchen speziellen Zweck es für mich erfüllen kann, exakt so, wie es ist, und nicht als 1:1-Kopie eines Originals, das aus welchen Gründen auch immer unerreichbar bleibt. Dabei ist die fotorealistische Darstellung auf dem Bildschirm manchmal sogar eher hinderlich, denn ich weiß meistens, wie die Originale klingen und daraus erzwingt sich auch sofort eine entsprechende Klangerwartung. Ich versuche also eher, die propagierten Originale als ‚Richtungsempfehlung‘ zu verstehen, wenn mir eine bestimmte Klangsignatur in meinem Studio fehlt. Ich glaube, wir können uns inzwischen von dem Gedanken verabschieden, dass das Plug-In eines Hardware-Originals so etwas wie zweite Wahl oder eine Verlegenheitslösung wäre. Dazu ist die Plug-In-Entwicklung, ganz allgemein gesprochen, heute viel zu weit vorangeschritten. Oft haben die Plug-Ins sogar eine erweiterte Funktionalität im Vergleich zum Original und eröffnen damit neue, kreative Möglichkeiten. Es würde mich stören, ständig daran denken zu müssen, ob ein Tape-Plug-In nun wirklich genau wie eine Bandmaschine klingt. Ich höre einfach, ob mir gefällt, was das Plug-In macht und dann ist das Ziel für mich erreicht.