Hintergrund: Diffusoren im Studio

Diffusion ist neben Absorption und  geometrischer Reflexion eines der Werkzeuge bei der akustischen Gestaltung von Räumen. Dabei ist das Verständnis für die Wirkung von Diffusion und die Schwierigkeiten beim richtigen Design von diffus schallstreuenden Flächen auch im professionellen Umfeld nicht allgegenwärtig.

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Konzeption des akustischen Verhaltens von Diffusoren, beginnend mit gängigen, einfachen Berechnungen hin zu neuen, dreidimensionalen Simulationsmöglichkeiten. Der Vergleich  verschiedener Diffusor-Bauarten sowie die klar darstellbaren Auswirkungen von falschen Diffusor Designs sollen zu einem genaueren Verständnis und zielgerichteten Einsatz von Diffusion im Raum beitragen. Darauf aufbauend wird die Komplexität in der großflächigen Anwendung von Diffusoren erläutert und ein  Lösungsansatz zur optimalen, diffus streuenden Oberflächengestaltung mittels phasenmodulierter Diffusorsequenzen prinzipiell dargestellt. Der letzte Teil dieses Artikels widmet sich der Frage, warum ein ausgewogener Raumklang direkt mit akustischer Diffusion korreliert und wie Diffusion im Studio gewinnbringend eingesetzt werden kann.

Akustische Diffusion bedeutet eine gleichmäßige, räumliche und zeitliche Streuung von Schall. Dies unterscheidet die akustische Diffusion wesentlich von der geometrischen Reflexion an ebenen und zufällig gestalteten, schallharten Oberflächen. Diffusion und das Design von Diffusoren beruht grundlegend auf dem Wellencharakter und der Beugung von Schall (engl. ‘diffraction’) und grenzt sich dadurch von der vereinfachten, geometrischen Betrachtungsweise des Schalls ab. 

Durch die gezielte Kontrolle der diffusen Schallstreuung kann ein Schallfeld ermöglicht werden, welches den Klangcharakter des Raumes maßgeblich prägt. Diffusoren finden ihre Anwendung in professionellen, akustischen Umgebungen wie Tonstudios und Konzertsälen, aber auch in HiFi- Räumen und Heimkinos. Dabei können sich moderne, diffuse Oberflächen in ihrem Aussehen deutlich unterscheiden, wie beispielsweise in der Elbphilharmonie in Hamburg (siehe Abbildung 1) [1] im Vergleich zu den Blackbird Studios in Nashville (siehe Abbildung 2) [2]. Die grundlegende Gemeinsamkeit ist jedoch eine Planung und Berechnung der diffus streuenden Oberflächen und deren akustische Wirkung.