Hintergrund: Analog gegen Digital
Dieser Bericht fasst die wichtigsten Erkenntnisse meiner Bachelorarbeit zusammen. Auf insgesamt 87 Seiten habe ich die klanglichen Eigenschaften des von AMS Neve stammenden 1073 SPX mit der digitalen Emulation Waves Scheps 73 verglichen. Die folgende Zusammenfassung konzentriert sich auf praxisrelevante Ergebnisse und klammert wissenschaftliche Detailanalysen weitgehend aus. Eine Mischung ohne Equalizer ist heute nur noch in Ausnahmefällen denkbar. Der sogenannte Equalizer ist eines der zentralen Bearbeitungswerkzeuge für Audio Engineers und kann für die Gestaltung sowie Bearbeitung eines aufgenommenen Klangs genutzt werden. Da sich die Musik stets im Wandel befindet, gilt dies ebenso für die Werkzeuge, die zur Bearbeitung eingesetzt werden. Der Neve 1073 SPX ist bekannt für seine einzigartige Schaltung, die auch durch harmonische Verzerrung einen besonders musikalischen Klang liefert. Diese Verzerrung, oft auch als Sättigung bezeichnet, sorgt dafür, dass Klänge voller und lebendiger wirken. Es ist genau dieser ‚analoge‘ Charakter, der viele Audio Engineers dazu bewegt, den Neve 1073 SPX trotz seines im Vergleich zu Software-Emulationen hohen Preises zu verwenden.
Die Equalizer-Einheit des Neve 1073 SPX ist einfach aufgebaut, aber äußerst effektiv: Sie besteht aus einem variablen Low-Shelf, einem festen High-Shelf und einem parametrischen Mittenband. Die Besonderheit liegt in der Art und Weise, wie diese Frequenzbänder den Klang formen und dabei harmonische Obertöne erzeugen, die gerne als ‚cremig‘ oder ‚seidig‘ beschrieben werden. Auf der anderen Seite steht der Waves Scheps 73, ein Plug-In, das in Zusammenarbeit mit Andrew Scheps, einem renommierten amerikanischen Audio Engineer, entwickelt wurde. Ziel war es, die klanglichen Eigenschaften des Neve 1073 so detailgetreu wie möglich nachzubilden. Doch wie gut gelingt das wirklich? Diese Frage war ein zentraler Punkt meiner Untersuchung.